Info-Material zu drucken ist einfacher als du denkst. In diesem Artikel schauen wir uns alle Optionen an und es gibt eine ganze Reihe von Tipps und wichtigen Hinweisen.
Egal ob ihr euren Soli-Tresen ankündigen, zu einer Demo aufrufen oder eure Weisheiten unter die Leute bringen wollt. Flyer und Sticker sind die Insta-Posts der physischen Realität und funktionieren tatsächlich. Sticker an Laternenpfählen locken neue Leute in eure Gruppe, Plakate outen den Fußballtrainer als Hardcore-Nazi und Flyer in der Ablage vom Döner locken Publikum zu eurem Punk-Konzert.
Was für Materialien gibt es?
Sticker/Aufkleber

Sticker sind ein No-Brainer. Immer griffbereit in der Tasche, perfekt zum Zeit totschlagen an der Bushaltestelle oder der Ampel. Aufkleber lassen sich sinnvollerweise nur einseitig bedrucken. Der Text sollte groß und knapp sein, damit man ihn auch beim flüchtigen Vorbeigehen lesen und erfassen kann.
Flugis/Flyer
Flugblätter können viele Zwecke haben und haben noch viel mehr Formate. Während ein kleiner einseitiger bedruckter Zettel als Einladung zur Spenden-Bar ausreicht, bieten mehrseitige Faltflyer Platz für eure politischen Theorien. Extravagant können auch Flugblätter im Henkel-Format bestellt werden, die über Türklinken und Haltestangen im Bus gehängt werden können.
Plakate
Plakate können vom kleinen A3 bis zum monumentalen A0-Format reichen. Sie können im Jugendzentrum oder dem Späti eures Vertrauens aufgehängt werden, um etwa zur Anreise für die nächste Demo zu werben oder bei Nacht- und Nebelaktionen mit Pinsel und Kleister in der Stadt verklebt werden, um vor Nazi-Aktivitäten zu warnen.
Visitenkarten
Klingt komisch, aber das bekannte Business-Format ist auch für Propaganda-Zwecke geeignet. Habt ihr nur sehr wenig Inhalt zu vermitteln, etwa eine Webseiten-URL oder einen Treffpunkt für die Demo-Anreise, könnt ihr das einfach auf Kärtchen drucken. Diese sollten aber eine dickere Papierstärke haben, damit sie nicht zu schnell knicken.
Hefte und Broschüren

Wenn der Falt-Flyer zu groß wird, sprechen wir von Heften. 🙂 Darauf soll aber nicht der Fokus dieses Artikels liegen.
Wie produziere ich Info-Material?
Erst einmal stellt sich die Frage, ob ihr sie wirklich produzieren müsst. Zahllose antifaschistische Gruppen und Organisationen haben schon ne Menge nicer Sticker und Flyer in Petto. Dort könntet ihr lieb anfragen, ob sie euch ein Päckchen schicken wollen, damit ihr eure Stadt verschönern könnt.
Andernfalls, schauen wir uns nun eure Optionen an, von einfach bis komplex.
- Wenn es schnell und einfach gehen soll und ihr für diesen Anlass überhaupt keinen Wert auf Style legt, dann reicht es aus, sich Word oder LibreOffice zu schnappen, da euren Flyer-Text reinzugießen und das Ganze im PDF-Format abzuspeichern.
- Für simple Designs gibt es Online-Bearbeitungs-Tools, in denen ihr euch schnell und einfach Layouts zusammen klicken könnt. Dazu gehören Adobe Express, VistaCreate und Canva. Beachtet bei solchen Online-Diensten aber unbedingt: Die Daten liegen damit bei diesen Unternehmen. Falls ihr heikles Material produzieren wollt, dann höchstens anonymisiert mit TOR oder VPN.
- Der Königsweg sind natürlich professionelle Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder die kostenlose, freie Alternative Gimp. Hier habt ihr die volle Kontrolle aber braucht auch entsprechende Skills. Für mehrseitige Dokumente kommt Layout-Software wie InDesign oder (wieder Open-Source) Scribus in Frage.
Ein paar Hinweise, wie ihr mit dieser Software umgeht, findet ihr im Abschnitt „Tipps zum Layouten“.
Wie drucke ich das Material und was muss ich dabei beachten?
Auch hier stellt sich die Frage, wie professionell es sein muss:
- Habt ihr nicht die finanziellen Mittel, der Anlass ist zu banal oder ihr braucht es besonders klandestin, dann können Flyer immer auch einfach mit dem heimischen Drucker oder im Copy-Shop gedruckt werden. Unis und Bibliotheken haben oft Drucker, in denen ihr halbwegs günstig große Mengen von Schwarz-Weiß Drucken erzeugen könnt.
- Kommerzielle Portale wie Flyeralarm bieten sehr simple und schnelle Webseiten, in denen ihr euch euren Druck zusammenklicken könnt. Wichtig hier ist, dass eure Datei das richtige Format hat und ihr im Dschungel der Optionen durchblickt. Papierstärke, Format, matt oder glänzend, Stückzahl.
- Linke Druckereien bieten keine solche schicken Weboberflächen. Um eure Materialien in einer linken Druckerei zu drucken, müsst ihr zur E-Mail greifen und ein Angebot einholen. Anlaufstellen sind z.B. Pinguin-Druck. Da diese Druckereien faire Löhne zahlen und umweltbewusst arbeiten, müsst ihr hier auch mit hoheren Preisen rechnen.
Beim Druck gibt es einige wichtige Kennwerte:
Format: A4, A3, A2, sagt euch sicherlich etwas. A6 ist dabei das klassische Postkarten-Format. Neben den klassischen DIN-Formaten gibt es noch DIN lang, das ist einfach etwas länger, als gewohnt. Es gibt aber natürlich auch noch runde, ovale oder komplett freie Formate.
Stückzahl: Ganz wichtig zu verstehen ist, dass der Preis pro Exemplar extrem viel günstiger wird, umso größer die Auflage wird. Zwei Bestellungen kosten also das Vielfache, als direkt in der ersten Bestellung die Doppelte Menge zu bestellen.
- Plakate: Wenn ihr eure Stadt plakatieren wollte solltet ihr in Hunderten Stück denken. In einer Stunde bekommt man je nach Situation 20-50 Plakate verklebt
- Flyer: Wollt ihr Flyer vor allem an Orten auslegen, werdet ihr nicht viele brauchen. 200 Stück reichen da sehr lange. Auf Demos verteilt können aber pro Verteilaktion schon hunderte Flyer weggehen. Wollt ihr Flyer in Briefkästen stecken gehen, solltet ihr eher in Tausender-Maßstäben denken.
- Sticker: Gehen weg wie warme Semmeln. Wenn es nicht ein sehr spezifischer Anlass ist, solltet ihr unter 1000 gar nicht erst anfangen.
Auflösung: Um eine gute Druckqualität zu bekommen, solltet ihr auf eine ausreichend große Anzahl von Pixeln pro Fläche achten. Professionelle Druckereien sind da anspruchsvoll. Für Sticker und Flyer solltet ihr eure Bilddateien mit über 300 DPI layouten. Für große Materialien wie Plakate oder Broschüren reichen oft 120 DPI. Die genauen Werte erfahrt ihr von der Webseite der Druckerei.
Farben: Farben am Computerbildschirm werden anders dargestellt, als sie vom Drucker erzeugt werden. Auf dem Display werden alle Farben aus Rot, Grün und Blau gemischt (RGB). Drucker verwenden die Farben Cyan, Gelb, Magenta und Schwarz (CMYK). Darum verlangen manche Druckereien Dateien in Druckfarben. Am besten ist es daher Motive, die gedruckt werden sollen direkt im CMYK-Format zu erstellen, auch wenn das was du am Bildschirm siehst, dann nicht genau dem entspricht wie es gedruckt aussehen wird. Erstellst du die Motive dagegen in RGB, musst die sie eventuell am Ende nach CMYK konvertieren, wenn die Druckerei das nicht selbst anbietet. Dabei werden Farben immer etwas verfälscht.
Tipps zum Layouten
Layouten ist eine Wissenschaft für sich. Eine umfassende Einführung können wir hier darum nicht geben, dafür gibt es viele Tutorials im Internet. Aber ein paar Tipps geben wir euch mit auf den Weg.
Bildbearbeitung
- coole Elemente um euer Layout aufzupeppen könnt ihr im Internet zusammenklauen
- die Kunst besteht darin, die Teile des entwendeten Materials, das ihr nutzen wollt „freizustellen„, also so auszuschneiden, dass es sich hübsch in euer Layout einfügt, dafür gibt es eine Reihe von Werkzeugen: vom Radierer, über das Selektierungswerkzeug (nach Farbe oder Pfad/Lasso), bis hin zu Farb-Filtern wie „Farbe nach Alpha“
- arbeitet mit Ebenen: Ebenen erlauben euch auch im Nachhinein noch einzelne Elemente des Bilds zu verschieben, vergrößern oder zu entfernen; klatscht ihr alles in eine einzelne Ebene, kriegst ihr es nicht mehr einfach auseinander
Gestaltung
- achtet auf lesbare Schriftgröße und Schriftart; wenn ihr euch unsicher seid, wie gut die Schrift auf dem Ziel-Format lesbar ist, druckt vor dem Druckauftrag das Ganze einmal billig auf einem (notfalls Schwarz-Weiß-) Drucker aus
- bei längeren Texten solltet ihr mit Blocksatz herumspielen, sonst franst der Text rechts hässlich aus
- ein sanfter(!) Farbverlauf im Hintergrund kann ein langweiliges Layout auf einen Schlag ziemlich schick machen
- Beschnitt: Achtet auf einen Sicherheitsabstand eures Layouts zum Rand hin, die Druckerei schneidet mal mehr, mal weniger von eurem Layout ab; das heißt: unwichtige Hintergrundelemente gehen bis zum Rand, wichtige Elemente (etwa Text) halten einen Sicherheitsabstand von einigen Millimetern
- Text vor einheitlichen Flächen: Text sollte immer vor einfarbigen, einheitlichen Flächen stehen, sonst ist er schwer zu lesen. Bilder hinter Text sind, wenn überhaupt, nur extrem blass vertretbar. Im Zweifel legt einfarbige Hintergrundkästchen unter die Textflächen.
Wie achte ich auf meine Anonymität?
Inhalte im Internet lassen sich halbwegs anonym veröffentlichen. Sticker lassen sich bei nächtlichen Spaziergängen anonym verkleben. Aber bestellen und bezahlen lassen sich die Materialien für Druckereien nicht anonym. Falls ihr besonders brisantes Material produziert, bietet es sich also an eine linke Druckerei eures Vertrauens zu beauftragen. Gegebenenfalls findet ihr aber auch eine vertrauenswürdige Akteur*in, die eure Materialien bezahlen und entgegennehmen kann, etwa die lokale linke Partei oder ihr Jugendverband.
